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Gas geben beim Tempolimit!
Bessere Luft, weniger Tote
„ Ich will Spaß, ich geb Gas!“ Über die Autobahn brettern,
der Wind in den Haaren, die PS unter der Haube. Auto fahren kann so schön
sein. Einerseits. Die Kehrseite der unbegrenzten Geschwindigkeiten sind
tausende Tote und ein dramatischer Klimawandel. Sehen wir den Tatsachen
ins Auge: Tempo 120 ist geboten. Mindestens 1,5 Millionen Tonnen CO2 könnten
damit eingespart, 20 bis 30 Prozent der schweren Unfälle verhindert
werden.
Die Freiheit zu rasen wird von Schwarz-Rot höher bewertet. Dabei steht
Deutschland mit „freier Fahrt für freie Bürger“ allein:
Weltweit sind wir das einzige Industrieland, in dem es kein generelles
Tempolimit auf Autobahnen gibt. Selbst im „Land der unbegrenzten
Möglichkeiten“, den USA, liegt das Limit zwischen 90 und 130
km/h.
Dass Tempolimits nicht die bürgerlichen Freiheiten beschränken,
haben hier zu Lande die meisten begriffen. Die Deutschen sind längst
klüger als ihre lobbyfreundliche Bundesregierung: Die Mehrheit, das
belegen zahlreiche Studien, ist für die Einführung eines generellen
Tempolimits auf Autobahnen. Zeit, dass die Politik endlich handelt. Gut fürs Klima
Die deutsche Autoindustrie baut immer größere und immer leistungsfähigere
Wagen. Sicher, auch an der Entwicklung umweltfreundlicherer Autos wird
gearbeitet. Doch es dauert (zu) lange, bis technische Neuerungen tatsächlich
die Treibhausgase wesentlich senken.
Deshalb reicht es nicht, sich darauf zu verlassen. Die Einführung
eines Tempolimits dagegen wirkt sich direkt positiv auf den Klimaschutz
aus. Das Umweltbundesamt hat’s ausgerechnet: Die Menge an CO2,
die PKW auf Autobahnen verursachen, könnte sofort um neun Prozent
reduziert werden, wenn die Geschwindigkeit generell auf maximal 120
km/h beschränkt wird. Extrem hohe Ausstöße würden
schlicht wegfallen. Ein Porsche Cayenne beispielsweise, der mit Vollgas
gefahren wird, schluckt bis zu 60 l /100 km und stößt 1.400
g Kohlendioxid pro Kilometer aus.
Außerdem: Ein Tempolimit fördert den Verkehrsfluss. Die Folge:
weniger Staus. Auch das wirkt sich positiv auf die Klimabilanz aus. Tempolimit? Sicher!
Nach Angaben der Polizei nimmt die Aggression im Straßenverkehr
zu: illegale Autorennen, Limousinen, die mit Lichthupe über die
linke Spur donnern, rasante RechtsüberholerInnen. Das gefährdet
den Straßenverkehr. Auch daher brauchen wir ein Tempolimit.
Noch immer sterben Jahr für Jahr weit mehr als 5.000 Menschen auf
deutschen Straßen. Überhöhte Geschwindigkeit ist die
häufigste Unfallursache. Nur etwas langsamer zu fahren, könnte
viele Leben retten.
Wo Tempolimits auf einzelnen Autobahnabschnitten eingeführt werden,
gehen Unfälle mit Verletzten und Toten sofort um 20 bis 30 Prozent
zurück. Entschleunigung ist auch auf Landstraßen und innerorts
geboten. 80 km/h auf zweispurigen Landstraßen und Tempo 30 in
Städten und Dörfern würden zahlreiche Menschenleben retten.
Damit sich auch die Unverbesserlichen daran halten, muss es mehr Kontrollen
und höhere Bußgelder geben. In Frankreich hat dies innerhalb
eines Jahres zu einem Rückgang der Verkehrstoten um 20 Prozent
geführt. Gut für die Umwelt
Bei extremer Beschleunigung schaltet der Kat bei vielen Autos ab
und bläst Schadstoffe ungefiltert in die Luft. Feinstaub und
Stickoxide wie auch andere Luftschadstoffe können mit dem Tempolimit
um neun bis 28 Prozent reduziert werden. Dies führt auch zu besserer
Luft in den Städten. Noch effektiver sind Umweltzonen, in die
nur noch Autos mit geregeltem Kat und – in einigen Jahren – nur
noch mit Dieselrußfilter einfahren dürfen. Für bessere
Autotechnik brauchen wir CO2-Grenzwerte für Neufahrzeuge und
die Einstufung in Energieklassen von A – G, wie es bei Elektrogeräten
bereits gemacht wird. Die Kfz-Steuer soll umgestellt werden: Spritsparer
müssen belohnt und Klimakiller kräftig zur Kasse gebeten
werden.
Auch Lärmbelastungen nehmen durch Geschwindigkeitsbegrenzungen
ab. Wer von 130 km/h auf 160 km/h beschleunigt, verdoppelt den Lärm.
Auch der Flächenverbrauch einer Straße hängt von der
Spitzengeschwindigkeit ab. Weniger Tempo macht eine günstigere
Anpassung an den Geländeverlauf möglich und führt so
zu flächensparsameren Trassen. Besser für alle
Verkehrsrowdys machen vielen Menschen das Autofahren schwer: Extreme
Geschwindigkeiten einiger Weniger erfordern viel Rücksicht von
der Mehrheit. Die Meisten kennen die Situation, von RaserInnen zu
einem Spurwechsel genötigt zu werden. Manche – und nicht
nur ältere – AutofahrerInnen trauen sich deshalb gar nicht
mehr auf die Autobahn. Mit diesem Stress macht das Tempolimit Schluss.
Das Tempolimit leistet noch mehr: Es erhöht die so genannte Leistungsfähigkeit
einer Straße. Wenn sich die Geschwindigkeiten der einzelnen Fahrzeuge
einander anpassen und das Lückenspringen im Rahmen gehalten wird,
stellt sich der höchste Verkehrsfluss zum Beispiel bei 85 km/h
mit bis zu 2.600 Autos pro Stunde und Fahrspur ein. Fahren die Fahrzeuge
langsamer, kann zudem der Sicherheitsabstand reduziert werden.
Ein allgemeines Tempolimit harmonisiert also den Verkehrsfluss insbesondere
auf Autobahnen. Wenn alle mit geringerer Höchstgeschwindigkeit
fahren, können auch alle schneller ankommen. Gut für die Entwicklung
Rasende Spritschlucker gehören der Vergangenheit an: Es ist absehbar,
dass solche Autos sich künftig kaum mehr verkaufen lassen, weil
sie einfach zu viel verbrauchen. Dennoch setzt die deutsche Automobilindustrie
weiterhin auf immer schwerere und stärkere Fahrzeuge. Die Chancen,
die in der Entwicklung moderner, umweltfreundlicher Automobile liegen,
werden so verpasst – und damit zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet.
Hier könnte ein Tempolimit auf Autobahnen Entwicklungswunder bewirken.
Denn es trägt indirekt dazu bei, dass neue Fahrzeuge gebaut werden,
die an die von der EU-Kommission geforderten Grenzwerte angepasst sind,
viel weniger verbrauchen, weniger PS haben und leichter sind. Hierdurch
verbessert sich nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen.
Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben! So lassen sich Arbeitsplätze
sichern und die Umwelt wird entlastet.
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